Die Kampagne rund um die „Invalidenstraße“
Sprache schafft Realität, Realität schafft Sprache
Vor diesem Hintergrund organisieren das Theater der Unterdrückten – Wien (TdU-Wien) und DanceAbility eine Kampagne zum Thema:
„Kunst im öffentlichen Raum – Barrierefreiheit – sensible Sprache“ mit dem Titel „VALID 2“. Namensgebend und Grund für diese
Kampagne ist die „Invalidenstraße“ im dritten Wiener Gemeindebezirk. Wenn Sprache Realität und Realität Sprache schafft, dann
bedeutet eine kritische Auseinandersetzung mit Begriffen, wie „valide“, „gültig“, „wert“ und „wertvoll“ schlussendlich die Frage, welche
Wertigkeit so genannte behinderte Menschen in unserer Gesellschaft einnehmen. Wollen wir tatsächlich eine Straße, welche behinderte
Menschen an gesellschaftliche Ränder drängt und sie doch auch in einen negativen Mittelpunkt stellt? Schafft diese Sprache nicht
vielmehr eine Realität, die der unsrigen längst nicht mehr entspricht? Wollen wir uns auf dieser Realität
ausruhen, anstatt an einer neuen zu bauen?
Die Kampagne soll Anstoß und Beitrag sein, genau diese neue Realität zu schaffen, in der Menschen keine Begriffe mehr
brauchen, um damit verinnerlichte und veräußerlichte Gefängnisse für „die Anderen“, „die Fremden“, „die Unbekannten“ zu bauen.
Ob als Selbst- oder Fremdwahrnehmung- diese Begriffe fragmentieren Gesellschaften, schüren Ängste und Abwehrhaltungen und
verhindern damit Dialog, Empowerment und Zusammenhalt. Wir wollen sowohl eine Sprache, als auch eine Realität mitgestalten,
in denen Menschen und Vielfalt Platz und Wertigkeit haben!
Petition zur Umbenennung der Invalidenstraße
www.petitiononline.at/petition/invalidenstrasse/257
Ziel
Ziel der Kampagne ist es, in der breiten Öffentlichkeit zum Bewusstsein über die Macht der Sprache in Bezug auf
die Schaffung bzw. Nicht-Schaffung von Lebensrealitäten beizutragen und den Begriff der „Invalidität“ im Kontext
einer Hinterfragung von „Validität“ als Gegenpol zu dekonstruieren.
Mit dem Projekt „VALID 2“ wollen wir einen Beitrag zu dieser Auseinandersetzung leisten und sichtbar machen, was sich der
alltäglichen Wahrnehmung entzieht: alle Menschen sind in ihrer Vielfalt einzigartig und besonders. Die Stadt als Lebensraum
soll dies berücksichtigen und lebenswerte und zugangsfreie Strukturen bereitstellen, die sowohl ideel, als auch reell Offenheit
und Sicherheit bieten. Theoretisch beziehen wir uns u.a. auf das 2003 mit Unterstützung des Bundessozialamts von Integration:
Österreich herausgegebene „Buch der Begriffe, Sprache, Behinderung, Integration“.
Das TdU-Wien veranstaltet in Kooperation mit DanceAbility vom 19.-25. Mai 2012 eine umfassende Projektwoche mit Workshops,
Podiumsdiskussion und einer Straßenkundgebung bzw. einem Straßenfest.
Workshops
>> We can Dance - Tanzworkshop mit Emery Blackwell (USA)
20.5.2012 – 10.00-13.00 / 21.-23.5.2012 – 16.30-19.30
Teilnahmegebühr: € 110,-
Discover our own natural dance. Discover the other person natural dance. Discover how to put our natural dance together
with somebody else natural dance with out loosing of each other natural dance.
Emery Blackwell has been teaching and dancing for Danceability for the past 24 years.
Emery's goal is to assist people in perceiving and communicating in a more creative and expressive fashion.
>> Enabling Theatre – Theater der Unterdrückten Workshop mit Susan Quick (UK)
20.5.2012 – 14.00-17.00 / 21.-22.5.2012 – 13.00-16.00
Teilnahmegebühr: € 90,-
It's very easy to cling on to the "Cops in our heads". We allhave them, don't we?
Rainbow of Desire helps us 'see' for the first time the oppressions we carry inside us- Together we explore ways to let them go.
"It is really wonderful that theatre is able to help people, not only to recover, but
decide themselves that they are well again and capable. Enabling Theatre really enables." - Augusto Boal
Anmeldung und Auskünfte: office@tdu-wien.at
Podiumsdiskussion
Viele Menschen, welche an einer gerechteren Welt interessiert sind, bedienen sich kreativer Methoden, wie Street Art
oder TdU, um dazu beizutragen. Oft humorvoll, kritisch oder provokant fordern sie öffentliche Meinungen und Stereotype
heraus, sensibilisieren für Probleme und/oder marginalisierte Bevölkerungsgruppen und regen zu Diskussionen und Aktionen an.
Aber wie kann Kunst sozialen Wandel und soziale Gerechtigkeit stimulieren? Wo finden sich Potentiale, wo sind Grenzen?
Was muss von Aktivist_innen und Künstler_innen mitbedacht werden? Wie können Menschen motiviert und inspiriert werden,
für sich selbst zu denken und zu handeln?
Diesen und anderen Fragen wollen wir in einer Podiumsdiskussion nachgehen.
Straßenkundgebung
Am 25. Mai soll im Bereich Invalidenstraße ein großflächiges Straßenspektakel inszeniert werden. In einer dem Event
vorangestellten Projektwoche werden künstlerische Workshops stattfinden, aus denen Beiträge für das Straßenfest entstehen.
Mit den Aufführungen und künstlerischen Beiträgen wird unterstrichen, dass es sich bei diesem Event nicht nur um einen
Protest, sondern um die Zelebration von Diversität und Vielfalt handelt, die zu einem toleranteren und lebenswerten öffentlichen Raum führen soll.
Künstler_innen und künstlerisch tätige Gruppen werden eingeladen sich am Event mit performativen Beiträgen zu beteiligen und
die Idee solidarisch zu unterstützen.
Die Route soll im Bereich der Invalidenstraße im dritten Wiener Gemeindebezirk verlaufen, Details werden auf der Homepage
bekannt gegeben (invalidstreet.wordpress.com). Start der Straßenkundgebung ist 12 Uhr.
Unsere internationalen Gastgruppen
abArt performance – Deutschland (München)
DanceAbility Finland (www.danceabilityfinland.com)
KUD Transformator – Slowenien (transformatortoslo.blogspot.com)
Beteiligung
Beteiligung ist in Form von künstlerischen Darbietungen, der Bereitstellung von Infrastruktur,
Sponsoring, in der Organisationsvorbereitung oder durch Teilnahme an den Workshops möglich.
Links
invalidstreet.wordpress.com
www.danceability.at
Invalidenstrasse / Invalidstreet auf Facebook
‘Valid 2′ is a week-long training course (19-25 May 2012) hosted in Vienna, Austria, which will focus on training social workers,
youth workers and artists who work with marginalized or socially excluded groups of young people especially in the field of
inclusion throught art of people with disabilities. It will combine methodologies of the “Theatre of the Oppressed” and “DanceAbility”.
The exchange and training will will focus on themes related to disability, in particular on the barriers that disabled people experience
while moving through the city and the possibilities of overcoming them. The main aim of our project is to come up with ways to diversify
Vienna’s cultural geography by drawing attention to the obstacles that “differently abled” people experience while living in the city.
The training results in a public performance in Vienna’s ‘Invalidenstrasse’, selected because the street identifies disabled people as
“invalid”. We will draw attention to differently abled people as being “valid too”.
The training week in Vienna is a sequel to last year’s Youth in Action project “Valid Voice 2011″. This year the focus lies on building
up a network of existing dance and theatre groups whose members are with and without physical and/or mental disabilities and who work in
the field of education of children and young people. Rather than simply inviting individual youth workers we want to learn how long-existing
groups in Europe do their work. We want to emphasise that this is an opportunity for different practitioners to learn together and discover
new insights as concerns educating young people at the same time as being a teacher with physical and/or mental disabilities. We have
invited two artists (both of whom have physical and/or mental disabilities and are active members in youth education and training)
to give workshops on “Theatre of the Oppressed” and “MixedAbility”.
‘Theatre of the Oppressed’ methods can be transformed and combined with many other techniques.
The training week will explore the potential of Augusto Boal’s theatre in combination with body/movement practices.
The training week in Vienna aims to support youth and social workers with artistic skills – and, on the other hand,
to supply artists with skills in social work.
Participants will attend the workshops in the facilities of the WUK-building and will be hosted in a nearby
hostel/hotel in the city of Vienna.
Our Partnerorganisations:
AbArt Germany
http://www.abart.es
DanceAbility Finland
www.danceabilityfinland.com
KUD Transformators (Slovenia)
http://transformatortoslo.blogspot.com
Wir danken unsren Unterstützer_innen ...